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RUMPENHEIMER KUNSTTAGE 2011


An den zahlreichen Kunststationen rund ums Rumpenheimer Schloss sollen die Besucher am 17. September zwischen 14 und 19 Uhr und am 18. September von 12 bis 18 Uhr einen Einblick in die Arbeiten der dortigen Kunstschaffenden sowie ihrer Gast-künstler erhalten. Je eine Arbeit pro Künstler wird bereits am Freitag, den 16. September um 19:00 Uhr in der Rumpenheimer Schlosskirche präsentiert. Dort spielt zur Ouverture der Gitarrenvirtuose Talib Vogl mit lateinamerikanischer und barocker Musik auf.
Auch in den neuen Arbeiten von Andrea Plefka dominieren abstrahierte, filigrane menschliche Figuren. Die Transparenz der einzelnen Farbschichten, die Überlagerungen und deren Ausstreichung geben Tiefe und Raum für Spekulation. Meist in zarten Tönen gehalten, erzählen die Aquarelle ihre eigene Geschichte. Mit ihr stellt Lucie Heirich neue Fotografien mit den Schwerpunkten Spiegelungen, Treppen und Architektur im Casino des Westflügels aus.
Experimentierfreude kennzeichnen die Arbeiten von Monika Schilm, die verschiedene Arbeiten in Drucktechnik und Acryl in den Wohnräumen über dem Casino präsentiert. Mit ihr dort vertreten ist Klaus Puth, der in seiner Jugend ursprünglich nicht Zeichner sondern Zoologe werden wollte. Deshalb spielen Tiere in seinen Zeichnungen und Cartoons eine prominente Rolle. Dabei arbeitet er gerne in sehr unterschiedlichen Stilen, zuletzt produzierte er insbesondere Federzeichnungen.


Im linken Tiefkeller des Hauptbaus stellt Kornelia Dahlhausen Bilder von Landschaftseindrücken aus. Dahlhausens Malprozess verläuft meist spontan als Dialog der Farben, wobei das Bild bis zur Fertigstellung viele Schichten erhält, die unter der endgültigen Oberfläche weiterwirken. Malerische Oberflächen will sie auch auf ihren Skulpturen und Gefäßen aus Keramik erzielen, die im offenen Feuer gebrannt sind.
Wilhelm Hardt zeigt im linken Tiefkeller starkfarbene Buntfenster, die als „Fenster zur Welt“ zu Entdeckungen anregen sollen. Wundersam und bizarr wirken auch die kraftvollen und zugleich filigranen „Lebenslinien“, die sich durch seine bildhauerischen Materialbilder schlängeln. Daneben will Hardt mit der Präsentation einiger Charakterköpfe überraschen. Durch die starke Farbgebung fallen die Bilder von Wolfgang Erb in den gleichen Räumlichkeiten auf. Kräftige Acrylfarben werden von ihm mit breitem Pinsel oder dem Spachtel zu abstrakten, meist großformatigen Farbkompositionen verarbeitet.
Im Mausoleum zeigen Sabine und Daniel Perez eine "berührende" Rauminstallation aus Klängen und Papierstickereien. Mit ihren in der Rumpenheimer Schlosskirche gezeigten Bildern versucht Hannelore Andree Stimmungen und Inhalte ausgewählter Texte mit Farbe, Wasser, Schrift und Form für den Betrachter fühlbar zu machen.
„Die Poesie der Natur“ (Johann Wolfgang von Goethe) sind wegweisende Worte für das Denken und Handeln von Detlef Kleinen, der mit mehreren anderen Künstlern im Schlossinnenhof vertreten ist. Sein Hauptaugenmerk liegt auf vertrauten, unscheinbaren Naturmaterialien. Materialschwerpunkt sind Flusskiesel und Schwemmholz aus Rhein und Main, oft auch in Kombination mit Rheinischem Schiefer.
Zentraler Arbeitsschwerpunkt für Manfred Funke ist die kinetische Plastik. In unterschiedlichen Abstraktionsgraden werden von ihm Stahl, Edelstahl und Fundstücke beweglich gemacht, um in diesem neuen Kontext Magie und Poesie auszustrahlen.
Peter Jakubowski produziert in erster Linie Objekte aus Holz, Stein, Keramik, Bronze, aber auch Gold und Silberschmuck. Durch seine Arbeit als Metallbildhauer und Schmied entstanden die ersten Arbeiten aus Stahl. Danach begeisterte er sich insbesondere am Werkstoff Holz und einige der daraus entstanden Skulpturen, hat er in Bronze gießen lassen.
In diesem Jahr führt auch Matthias Block seine Reihe von Werken für die Rumpenheimer Kunsttage fort. Im Schlossinnenhof wird er eine temporäre Skulptur mit dem Titel "Festzelt" errichten. Ausgehend von bekannten Elementen verschafft seine hintersinninge Arbeit neue Raumeindrücke.
„Steine können auch anders…“, jedenfalls im Atelier Uhl in der Rumpenheimer 
Schlossgasse 4. Sie können auf Händen getragen werden, im Raum schweben. Schmuck oder Objekt sein.
Aus der Vielfalt ihrer Bildkompositionen zeigt Irene Rekus zum Thema „Leben der Träume“ einfache Menschen, die wahrscheinlich von einem besseren Leben träumen. Es handelt sich hierbei ganz bewusst um Aquarelle in schwarzer Farbe auf weißem Papier, weil durch das Fehlen der Farbe sich für den Betrachter ein weiterer Raum für Fantasie und Träume erschließt. Sie stellt ebenso wie Kirstin Lippek in den Räumlichkeiten der Bürgerinitiative Rumpenheim in der Landgraf-Friedrich-Straße 1 aus.
Weiter hinten in der Nr. 25a befindet sich das Atelier „ARTmosphäre“ der Keramikgestalterin Birgit Palt. Dort sind überdimensionierte und farbenfrohe Muscheln und Schnecken aus Steinzeugkeramik zu bestaunen. Neben Glasschmuck, Radierungen und Filztaschen präsentiert Palt zarte und durchscheinende Porzellanobjekte, zeitweise in Kombination mit selbst hergestellten Glasobjekten. Im Atelier Palt sind auch Mocki Plath und Karin Happel vertreten. Sie präsentieren Taschenunikate, Gamaschen und Wandelbares, das mit viel Liebe zum Detail individuell entworfen und gefertigt ist. Die Kreationen entstehen beim “Machen”, d. h. die beiden Designerinnen lassen sich von den Stoffen, Spitzen, Knöpfen und Bändern, die sie auf Reisen und auf Flohmärkten erstanden haben, inspirieren.
Von der Landgraf-Friedrich-Straße ist es nicht weit zum kleinen Gässchen 13 - 15. Die dortige Schreibwerkstatt widmet sich dem Thema "Schreiben für Jedermann": Kalligraphen schreiben für "Jedermann" und gleichermaßen darf "Jedermann" natürlich in der Schreibwerkstatt selbst schreiben. Vor der Flamme gedrehte Glasperlen und im Brennofen geformtes Glas zeigt Chris Reinelt in seinem Atelier. „Glasfusing“ ist seine Basis für farbenfrohe Objekte und faszinierenden Schmuck. Im Hof des Kleinen Gäßchens präsentiert auch Janine Bruchet Collins ihre leidenschaftliche Landschaftsmalerei, oft auch Eindrücke aus der Natur dieser Region transportieren. Nur sonntags wird im Kleinen Gässchen auch das „JuKuMo“ der Jugendkunstschule Offenbach stehen, das einerseits Schülerarbeiten der Jugendkunstschule zeigt aber auch Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gibt, vor Ort eigene kleine Kunstwerke zu schaffen.
Auf dem Rückweg zum Schloss lohnt sich ein Sprung in die Fischergasse 8. Die hier von Margot Hochheimer gezeigten „Naturerfahrungen“ entstehen durch das Setzen von Linien, Farbflächen, Übermalen, Wegnehmen, Umformen, Aussparen und Collagieren. Aus dieser Vielzahl von Farbschichten wächst in einem Verwandlungsprozess die Komposition, die mit dem emotionalen Naturerleben der Künstlerin übereinstimmt.






Dekoratives und Skurriles

Offenbach - Einst als Teil der „Offenbacher Kunstansichten“ entstanden, 
haben sich die „Rumpenheimer Kunsttage“ zum eigenständigen Künstler- und Musikerfest rund ums Schloss entwickelt. 
Von Reinhold Gries

Das war beim Rundgang durch offene Ateliers, Ausstellungen in Schloss und Innenhof sowie in Privathäusern zu sehen. Da ist Vielfalt angesagt, auch was Niveau-Unterschiede zwischen professioneller und Freizeitkunst betrifft. Das ist von Initiator Robert Elbe und Team so gewollt. Elbe konnte wegen eines Unfalls am Festival nicht teilnehmen, hatte aber mit Helfern wie Glasfusingkünstler Chris Reinelt, Bildhauer Wilhelm Hardt und Schriftkünstlerin Hannelore Andree die Weichen zeitig gestellt. Für den musikalischen Teil sorgte der musikerfahrene Ingenieur Horst Kriszio, zu hören bei der „Ouvertüre“ in der Schlosskirche, in welcher der Offenbacher Konzertgitarrist Talib Richard Vogl kurzweilige und skurrile Betrachtungen darbot. Die damit eröffnete Gemeinschaftsausstellung, die jeden Künstler mit einem Exponat vorstellt, ist in der Kirche bis zum 25. September zu sehen (Montag bis Freitag 9 bis 14 Uhr, Samstag ab 18 Uhr, Sonntag ab 15 Uhr). Dort bringt die Finissage weitere Höhepunkte: Am Samstag, 24. September, 20 Uhr, führt Susanne Neumeyer-Kohnen die Lichtbildkunst-Performance „Gegenüber dem Himmel“ auf, samt Tanz, Oboen- und Saxofonklängen. Am Sonntag, 25. September, folgt das Klezmer-Ensemble „Hejbt on“ (16.30 Uhr).

Bildende Kunst

Aber zurück zum Rundgang: Durch den Kunstgarten von Grete Steiner an der Fischergasse, in welchem Bildhauer und Schmied Peter Jakubowsky Skulpturen ausstellte, ging es in die geschmackvolle Wohnhalle. Dort vereinten sich grandios gemalte Maltafeln Margot Hochheimers mit modernen musikalischen Kompositionen zum Gesamtkunstwerk. Bei der Interpretation von Stücken Hindemiths, Dvoraks und Henzes boten Gabriele Scholz am Flügel und Heilpraktiker Joachim Wingenfeld an der Geige professionelle Spielkunst, gefolgt von E-Gitarrenläufen Thomas Müllers.
Im Innenhof des Schlosses, bereichert um Mathias Blocks temporäre Biertisch-Installation „Festzelt“, Manfred Funkes kinetische Plastiken und Detlef Kleinens dekorative Rheinkiesel-Reliefs, verwandelte Multiinstrumentalist Gert Zimanowski Sprache in „Talktone“-Musik – mit exotischen Instrumenten wie Hang, Sansula oder Darabuka. Bildende Kunst spielte die Hauptrolle, als es vom „Casino“ des Schloss-Westflügels mit Andrea Plefkas fein aquarellierten Figuren und Lucie Heirichs virtuos fotografierten Treppen- und Architekturbildern treppauf zur sogenannten Wohnung empor ging. Dort boten Simplicissimus-Federzeichnungen des renommierten Mühlheimer Karikaturisten Klaus Puth Illustration der Spitzenklasse, gefolgt von Monika Schilms Linoldrucken, Holzschnitten und Malereien, die auch zu den Höhepunkten der Kunsttage zählten. Treppab ging es in massiv überwölbte Tiefkeller des Schlosses, in denen Wilhelm Hardt starkfarbige Buntfenster und filigrane „Lebenslinien“-Materialbilder neben Wolfgang Erbs Farbspielen zu finden waren, oder auch Kornelia Dahlhausens Gemälde, Skulpturen und Keramiken.

Offenbach hat immer Zukunft

In der Bogenhalle des Mausoleums stand ein gedeckter Tisch, an dem niemand sitzen durfte. Kunstvoll bestickte Servietten von Sabine Perez, kürzlich mit dem Hessischen Staatspreis des deutschen Handwerks prämiert, bildeten mit klassischem Gedeck, Plastikstühlen und aus Boxen klingenden Single-Auskoppelungen ihres Ehegatten Daniel Perez eine stille, widersprüchliche Installation, die nachdenklich machte. Wenige Meter weiter, im pittoresken Atelier Wolfgang Uhls an der Schlossgasse, drängten sich Besucher um neue Halsketten, Armreifen und Ringe aus Bernstein, verquarztem Mammutbaumholz und Ostseekieseln. Gut besucht war die Landgraf-Friedrich-Straße, wo nicht nur die BIR erstmals ihre Räume für Kunsttage-Ausstellungen und Erzählcafé geöffnet hatte. Im „Gelben Haus“ zogen Birgit Palts Porzellanleuchten, Geschirre und Spitzenmuster-Schüsseln ebenso an wie Mocki Plaths und Karin Happels fantasievolle Kreationen. Ausgefallene Hut-Stirnbänder ließen sich auch als Schal oder – bei passender Taille – als Gürtel tragen. Der Rumpenheimer Ideenreichtum setzte sich bis zur Kunstfabrik am Kleinen Gässchen fort, wo die Schreibwerkstatt Klingspor ebenso frequentiert war wie Chris Reinelts Studio mit ofengeformtem Glas. Dazwischen saß Barbara Meyer im Kunstmobil „JuKuMo“ der Jugendkunstschule. Künstlerisch, das war nicht nur dort zu sehen, hat Offenbach immer Zukunft!